Das pure Entsetzen – HK vom 16.7.2014

Thalmässing (HK) Allein im Kreis Roth Baukosten von 48 Millionen Euro, 13 Kilometer neue Straßen, neue Brücken und ein Autobahnanschluss: Beim Infoabend des Bauamts über den möglichen Neubau einer Bundesstraße durch den Süden des Landkreises mussten die Zuhörer viel schlucken.

Das Schwimbachtal ist eine gewachsene Kulturlandschaft. Eine 76 Meter lange Brücke würde hier viel zerstören. Im Weihersbachtal bei Aberzhausen ist sogar eine 220 Meter lange Brücke vorgesehen.

Blumendeko und Stehtische müssen weichen, um Platz für zusätzliche Tische und Stühle zu gewinnen. Und alle müssen enger zusammenrücken, damit die rund 200 Zuhörer Platz im Saal haben. Noch enger zusammenrücken werden die Gegner einer neuen Bundesstraße, die den Landkreis Weißenburg mit der A 9 verbindet, aber auch in ihrem Kampf gegen dieses Projekt. Spätestens als Christian Peetz, Leiter der Abteilung Planung im Staatlichen Bauamt Nürnberg, bei seiner Schilderung, wie so eine Trasse aussehen könnte, auf die Brücken zu sprechen kommt, wird manch einer blass. Dass eine Bundesstraße eine Schneise durch die Landschaft und durch landwirtschaftliche Flächen schneiden würde, war in den vergangenen Monaten eines der Hauptargumente der Gegner des Projekts.

An zusätzliche Brücken hatte aber keiner gedacht. Ein Bauwerk mit 76 Metern Länge über das Schwimbachtal zwischen Schwimbach und Aue und gar mit 220 Metern über das Weihersbachtal zwischen Laibstadt und Aberzhausen – diese Dimension gibt dem Widerstand gegen die Bundesstraße eine neue Qualität. Und dann noch eine zusätzliche Brücke bei Großhöbing, damit die Autofahrer von der Bundesstraße auch auf die Autobahn kommen. Nicht zu vergessen die Brücken über bestehende Straßen, zusätzliche Querungen und fünf bis zehn Meter tiefe Einschnitte.

„Das ist erschreckend, was die planen“, kann Bürgermeister Georg Küttinger da nur feststellen. „Bei so vielen Millionen hat es mir fast die Sprache verschlagen. Die könnte man anderswo sinnvoller verwenden.“ Mit dieser Meinung steht der Thalmässinger Bürgermeister nicht alleine da. Die Bürgermeister Manfred Preischl aus Greding und Ralf Beyer aus Heideck sind zu diesem Informationsabend gekommen, begleitet von Mitgliedern des Stadtrats und des Marktrats, Ortssprechern, Kreisräten, Vertretern der Jagdgenossen, des Bauernverbandes, des Bund Naturschutz und des Aktionsbündnisses gegen die B 131 n. Dass sogar Bürger aus Dörfern dabei sind, die nicht unmittelbar an einer Trasse liegen würden, freut Küttinger besonders.

Den vielen Gegnern des Projekts will Christian Peetz die Angst nehmen. „Von einem drohenden Szenario, dass gleich die Bagger anrücken, sind wir weit entfernt“, sagt er beruhigend. „Wenn 15 Jahre ins Land gehen würden, bevor die Straße realisiert wird, wäre das gar nichts.“ Detailliert schildert er das Prozedere bis zur Realisierung einer solchen Straße, nennt Kriterien und Ziele für solche Straßenbaumaßnahmen. Und weist immer wieder darauf hin, dass Dinge wie Effektivität oder Kosten-Nutzen-Verhältnis erst viel später im Verlauf des Verfahrens bewertet würden.

Zwei Drittel des Budgets des Bundesverkehrswegeplans seien für die Erhaltung von Verkehrswegen vorgesehen, nur ein Drittel für Aus- und Neubau von Schienennetz, Straßen und Wasserstraßen. Ein großer Teil der Mittel für Straßen sei für besonders belastete Strecken eingeplant, die in die Kategorie „vordringlicher Bedarf“ eingestuft seien. Die sollten auch bis 2030 realisiert werden. Die B 131 n im Landkreis Roth sei in die Kategorie „weiterer Bedarf“ eingruppiert, eine Realisierung bis 2030 „vermutlich nicht realistisch“, wenn sie 2015 nicht hochgestuft werde. Ob die B 131 n tatsächlich eine bessere Verbindung für den Weißenburger Raum bringe und das bestehende Straßennetz entlaste, werde erst die Bewertung zeigen, so Peetz. „Ob die Straße dann weiterverfolgt wird, ist eine politische Entscheidung“.
Dass der Weißenburger Raum, der einzige, der den Bau der Bundesstraße weiterhin favorisiert, schlecht angebunden sei, sehen die Bürger nicht. Einige listen mögliche Anbindungen über die B 2, die A 6 oder A 7 auf und verweisen auch auf die B 13. Deren Ausbau von Gunzenhausen Richtung Ingolstadt mit Ortsumgehungen von Rothenstein, Rupertsbuch und Eichstätt, ein Projekt, das ebenfalls im weiteren Bedarf eingestuft ist, halten beispielsweise auch die Industrie- und Handelskammern für sinnvoller als den Bau einer B 131 n, den sie nach anfänglicher Befürwortung jetzt auch ablehnen.

Im Schnelldurchgang listet Peetz den Trassenverlauf auf. Alfershausen soll im Norden umfahren werden. Die kreuzenden Straßen werden mit einem Bauwerk über die Bundesstraße geführt. Zwischen Stetten und Stauf soll die Straße mittig durchführen, Richtung Schwimbach abschwenken und östlich von Thalmässing bei Aue wieder auf die Staatsstraße führen. Die würde zur Bundesstraße ausgebaut. Über das Schwimbachtal würde eine 76 Meter lange, bis zu 20 Meter hohe und 2,4 Millionen teure Brücke gebaut. Eine zusätzliche Brücke wäre auch bei Großhöbing notwendig, antwortet Christian Peetz auf eine Frage von Großhöbings Ortssprecher Max Dorner. Die vor zehn Jahren gebaute Brücke über Autobahn und ICE müsste aber nicht erweitert werden.

Von Ellingen, Höttingen und Fiegenstall kommend soll die bestehende Straße genutzt und Laibstadt im Norden umfahren werden. Die Straße soll hier in einem fünf bis zehn Meter tiefen Einschnitt verlaufen. Zwischen Rudletzholz und Laibstadt müsste die Kreisstraße verlegt und eine Brücke über die Bundesstraße gebaut werden. Aberzhausen wird im Norden umfahren. Zwischen Aberzhausen und Laibstadt müsste – um die Biotopvernetzung sicherzustellen – eine 220 Meter lange und 20 Meter hohe Talbrücke errichtet werden. Die Gesamtkosten für diese Baumaßnahmen gibt das Staatliche Bauamt mit 48 Millionen Euro an.

Bürgermeister Georg Küttinger hakt in Sachen Verkehrsbelastung nach. 9000 Fahrzeuge am Tag waren prognostiziert, jetzt liegt die Belastung bei 3000 Fahrzeugen. „In den vergangenen Jahren hat es keinen Zuwachs gegeben“, muss Christian Peetz einräumen. Doch dürfe man den Bestand nicht mit der Planung vergleichen, wenn das „Schlüsselprojekt“ Autobahnanschluss dazukomme, werde sich die Verkehrsbelastung erhöhen. Der Anteil des Güterverkehrs werde sich auf jeden Fall in den nächsten Jahren deutlich steigern.
„Wie soll die Bürgerbeteiligung aussehen“, will Daniela Betz wissen und kritisiert die Beteiligung im Jahr 2012, als Kommunen und Bürger nur spärlich und sehr kurzfristig über die Möglichkeit, ihre Meinung kundzutun, informiert worden seien. Beifall erntet die Bitte von Gredings Bürgermeister Manfred Preischl an den Vertreter des Bauamts: „Nehmen Sie bitte mit, dass die Beteiligung ausgeweitet werden soll.“ Beifall gibt es auch für Kreisrat und Marktratsmitglied Michael Kreichauf: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Bundesstraße gegen den Willen von über 100 000 Leuten durchgesetzt werden soll. Damit habe ich ein demokratisches Problem.“ Dass es große Bedenken gegen eine B 131 n gebe, sei bei den Politikern angekommen, versichert Peetz. Ursula Klobe als Sprecherin des Aktionsbündnisses gegen die Bundesstraße kündigt an, dass man auch weiterhin informieren werde, über die eigene Homepage oder das Mitteilungsblatt. Auf der Homepage der Kommune soll auch in etwa zwei Wochen eine Gesamtübersicht der Tassenplanung zu finden sein. Auch Aktionen werde es weiterhin geben, so sehen sich am 24. Juli ab 10 Uhr Abgeordnete der SPD den Trassenverlauf an.

Auf Siegfried Dorners Bitte um eine Prognose, ob die Straße komme oder nicht, wehrt der ab. „Wenn ich das sagen könnte, wäre ich hochbegabt. Die Bewertung ist so kompliziert, da wissen wir nicht, was rauskommt.“

„Ich persönlich sehe keinerlei Nutzen“, sagt Georg Küttinger kategorisch und fordert Christian Peetz mit Blick in den überfüllten Saal auf: „Sehen Sie sich die Massen an, das können noch mehr werden.“

Von Andrea Karch

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