Charme der Langsamkeit – Leserbrief Sandra Foistner

Zum Bericht: „Waagschale neigt sich eher zum Nein“ (HK vom 23.5.2013)

Der Bau der B 131n wird im Landkreis Weißenburg als „große Chance, endlich eine schnelle Autobahnanbindung an die A9“ zu erhalten, gesehen. Als ehemalige Bürgerin des Landkreises Weißenburg weiß ich um die großen Entfernungen zu Fernstraßen und habe durchaus Verständnis für den Wunsch nach mehr „Autobahnnähe“. Als jetzige Einwohnerin der Marktgemeinde Thalmässing kenne und schätze ich das herrliche Thalachtal, das für den Bau der Bundesstraße „geopfert“ werden soll.

Ich selbst nutze die bestehende Verkehrsverbindung Weißenburg – Laibstadt – Thalmässing – Greding häufig: sie führt durch eine malerische Landschaft am Rande des Fränkischen Jura, durch Höttingen und Fiegenstall, vorbei an Ettenstatt und Reuth unter Neuhaus. Im Landkreis Roth durchquert die Straße die Ortschaften Laibstadt und Aberzhausen auf einer Länge von wenigen hundert Metern. Lediglich Alfershausen und Thalmässing durchzieht sie komplett. Höbing und Greding werden verkehrstechnisch nur „gestreift“, bevor man die Autobahn A9 erreicht.

Eiskalt läuft es mir über den Rücken, wenn ich an die über 30 Meter breite Asphaltschneise denke, die das schöne Thalachtal streckenweise von Laibstadt bis Höbing regelrecht „zerstückeln“ würde. Stauf, das sich nördlich von Thalmässing idyllisch an den Hang schmiegt und einen einmaligen Rundumblick von Schlossberg im Westen über Thalmässing im Süden bis über den Landeck, Thalmässings Hausberg, im Osten beschert, hätte die breite „Teer-Schneise“ dann direkt vor der Nase.

Der Ort Schwimbach, der sich seit jeher in einer beschaulichen Ecke nordöstlich hinter dem Landeck „versteckt“, wäre unmittelbarer Nachbar der Schnellstraße, auf der dann täglich geschätzte 4 000 Fahrzeuge „vorbeibretterten“. Der Landeck selbst mit seinen sanften Ausläufern in die unberührte Landschaft, der zu herrlichen Spaziergängen und Wanderungen einlädt, würde von der entstehenden „Asphalt-Spange“ förmlich „umschlossen“. Wandern kann man sich dann „abschminken“ und sich von einmaliger Flora und Fauna auf ewig „verabschieden“! Nicht zu vergessen ist Höbing: der Ort, der die Autobahn A9 und die Bahnstrecke Nürnberg – München sowieso schon direkt „vor der Haustüre“ hat, bekäme oben drauf noch eine gigantische Autobahnauffahrt. Nicht zu vergessen sind die landwirtschaftlichen Nutzflächen, die dabei „zerschnitten“, überbaut und somit der Produktion entzogen würden. Und all diese massiven Eingriffe in unsere Naturlandschaft, nur um die Fahrzeit zur Autobahn um wenige Minuten zu verkürzen? Dass bei diesen Plänen massiver „Gegenwind“ herrscht, ist sicher verständlich!

Ein Bekannter, der zum ersten Mal ins Thalachtal blickte, meinte überwältigt: „Das ist ja wie in der Toskana“. Und diese „fränkische Toskana“ soll vorsätzlich zerstört werden und einer „Rennstrecke“ zum Opfer fallen? In unserer globalisierten, schnelllebigen Welt ist es doch fast schon Luxus, sich in den ländlichen Raum „zurückziehen“ zu können, in dem die „Uhren stets ein wenig langsamer ticken“. Statt sowohl mit dem Fahrzeug als auch persönlich permanent im „sechsten Gang“ zu fahren, täte es vielen gut, den Fuß „vom Gas“ zu nehmen und die Augen für die Schönheiten unserer Region zu öffnen.

Auch das Argument, dass Touristen über diese Trasse das Seenland schneller erreichen könnten, leuchtet mir nicht ein: im Chiemgau und im Bayerischen Wald etwa sind die beschaulichen Urlaubsorte meist über die kleinen Straßen zu erreichen. Genau dieses „Herunterschalten müssen“ macht doch den „Charme“ vieler Urlaubsregionen aus.
Ich hoffe, dass dieses in meinen Augen „wahnsinnige“ Straßenbauprojekt B 131n nicht realisiert wird, denn dieser Eingriff würde dem beschaulichen Thalachtal seinen „natürlichen Charme“ nehmen und die Lebensqualität aller hier Lebenden nachhaltig beeinflussen.

Sandra Foistner, Landersdorf

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