Thalmässing: Widerstand gegen B131n flammt wieder auf – RHV vom 10.6.2014

Projekt ist immer noch für den Bundesverkehrswegeplan angemeldet

THALMÄSSING – Für manchen Politiker sei es ein „Prestigeobjekt der Jahrtausendwende“ gewesen, das nun aber keinen Sinn mehr mache. So wertete Grünen-Kreisrat Felix Erbe bei einem Ortstermin die Idee jener Pläne für eine „Bundesstraße 131 neu“ (B 131n), die immer noch nicht vom Tisch sind und bei ihrer Verwirklichung das gesamte Land um Stauf nachhaltig und im wahrsten Sinn des Wortes einschneidend betreffen würde.

Der Thalmässinger Bürgermeister Georg Küttinger, Grünen-Kreisrat Felix Erbe, die Grünen-Landtagsabgeordneten Verena Osgyan und Martin Ganserer (v. r.) debattieren bei Großhöbing über das Projekt B131 neu.

Der Thalmässinger Bürgermeister Georg Küttinger, Grünen-Kreisrat Felix Erbe, die Grünen-Landtagsabgeordneten Verena Osgyan und Martin Ganserer (v. r.) debattieren bei Großhöbing über das Projekt B131 neu.© Jürgen Leykamm

 

Denn der Preis für die Verbindung zwischen der A7 bei Dinkelsbühl und der A9 bei Greding ist hoch: Zerstörung von Biotopen und Landschaften, enormer Flächenverbrauch, Bedrohung junger landwirtschaftlicher Zukunftsbetriebe, und das, obwohl der Sinn des Projekts mehr als fraglich scheint. Denn der Engpass, den es beseitigen will, existiert gar nicht: Die Prognosen hinsichtlich eines hohen Verkehrsaufkommens als Voraussetzung für einen Neubau haben sich nicht erfüllt. All dies geht aus den Infos zu einer Unterschriftenliste eines Aktionsbündnisses hervor, die zum Pfingstmarkt die Runde machte und in eine Petition an das Bundesverkehrsministeriums münden soll.

 

Treibende Kraft des Bündnisses ist Thalmässings 2. Bürgermeisterin Ursula Klobe, die beim Ortstermin ebenso dabei war wie Rathaus-Chef Georg Küttinger. Der Widerstand gegen das Projekt ist dabei nicht nur partei-, sondern auch gemeindeübergreifend. So fand sich auch der Großhöbinger Ortssprecher Max Dorner zur Trassenbegehung ein. Er sieht sich insgeheim schon „als letzter Höbinger“.

Dorners Angst ist berechtigt, denn dem Ort droht eine massive Fünffach-Belastung: ICE-Strecke und Autobahn sind längst schon Realität vor der Haustür, eine riesige Gleichstromleitung soll hier gebaut werden, und ein Mobilfunknetzbetreiber will in der Nähe des Dorfes einen Funkmast errichten. Komme die B131n mit dem befürchteten Riesenbrückenkopf vor der eigenen Nase noch dazu, lasse das die Bereitschaft der junge Generation hier zu bleiben, gegen Null sinken, befürchtet Dorner.

Auch bei einer Klausur des Grünen-Kreistagsfraktion war im Vorfeld des Ortstermins das Projekt auf vollkommenes Unverständnis gestoßen. Einmütig bekundete man seinen Widerstand, wie Felix Erbe betont. Ziel müsse es sein, für das Projekt die Einstufung „kein Bedarf“ im Bundesverkehrswegeplan beziehungsweise eine völlige Streichung von dort zu erreichen.

In diesem hält sich die B131n hartnäckig, allerdings bei nur geringen Realisierungschancen. Doch das könnte sich auch schnell ändern, gibt Klobe zu bedenken. Wenn etwa von politisch höherer Stelle das Interesse plötzlich erwacht und sich Förderquellen öffneten. Deswegen schüre die unsichere Lage Ängste bei den Bürgern, „die so lange nicht ruhig schlafen können, so lange die Straße im Bundesverkehrswegeplan drin steht.“

Augenwischerei

Der Verbleib dort ist laut des verkehrspolitischen Sprechers der Grünen im Landtag, Markus Ganserer, eigentlich nur Augenwischerei. 20 Prozent der in diesem Plan angemeldeten Projekte kämen aus Bayern. „Ein gnadenloser Wunschzettel“, so der Abgeordnete. Statt vorzusortieren, wie es seitens anderer Bundesländer geschehen sei, habe man „planlos einfach alles angemeldet“, das sei „unrealistisch und gierig“. Käme alles zum Tragen, würde man für die Finanzierung 100 Jahre brauchen.

Küttinger wittert dahinter Kalkül. Denn bei der zwangsläufigen Aussortierung durch den Bund lasse sich dann trefflich „auf Berlin schimpfen.“ Dabei mache gerade „der maßlose Ausbau kleiner Bundesstraßen“ überhaupt keinen Sinn, bekräftigt Ganserer. Schon jetzt werde in Mittelfranken jährlich eine Fläche in der Dimension des Großen Brombachsees zubetoniert.

Seit Kurzem seien die Projekte im Internet wiederzufinden, im nächsten Jahr werden die Einwände verhandelt. Deswegen sei die Zeit bis dahin so wichtig, um den Protest zu formieren, so Ganserer. Denn nun werde die Prioritätenliste festgelegt. Wer am lautesten protestiere, habe die größte Chance, dass jene Straße, gegen deren Ausbau man ist, auf der Liste ganz hinten lande.

Die Grünen richten ihr Augenmerk vor allem auf den Erhalt der Infrastruktur. Hier würde es „erheblichen Nachholbedarf“ geben. Gerade in die Hauptverkehrsadern gelte es zu investieren. In diesem Fall „leisten auch die Grünen keinen Widerstand“, kündigt der verkehrspolitische Sprecher an.

Ebenso will er eine Anfrage im Landtag einbringen, um nähere Details zur B131n zu erhalten. Am Dienstag, 15. Juli , gibt es hierzu in Thalmässing auch eine Info-Veranstaltung. Beim Ortstermin zeigte sich auch die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag, Verena Osgyan, zufrieden darüber, dass sich ein breit aufgestelltes Bündnis gegen den Ausbau formiert. Es sei auch vor dem Hintergrund der Bemühungen des Freistaats um gleichwertige Lebensbedingungen in Stadt und Land nicht nachzuvollziehen.

JÜRGEN LEYKAMM
Roth-Hilpoltsteiner Volkszeitung vom 10.6.2014

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